Wie geht es mit der Müllentsorgung weiter

Wie geht es mit der Müllentsorgung weiter
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30.11.99

Diskussionsabend mit der Grassauer SPD – viele neue Eindrücke

 

Grassau (tb) – Nachdem die bestehenden Verträge zur Müll- und Wertstoffentsorgung auslaufen, besteht die Möglichkeit das Konzept neu zu ordnen. Aus diesem Grund riefen die SPD Ortsvereine Grassau und Bergen gemeinsam mit dem Arbeitskreis Umwelt und Energie der SPD zu einem Diskussionsabend im Gasthof zur Post auf. Das Interesse war groß und viele neue Aspekte wurden eingebracht. Als Experte konnte Franz Zannoth, Altbürgermeister von Hohenbrunn im Landkreis München gewonnen werden.

 

Monika Berlitz, Vorsitzende der SPD Bergen wie auch des Arbeitskreises Umwelt und Energie der SPD im Landkreis, meinte eingangs, dass in Sachen Müll alle Fachleute seien, denn jeder produziere diesen. Zum Entsorgen der Wertstoffe meinte sie, dass es ökologisch oft keinen Sinn mache Wertstoffe brav zur sortieren und dann weit mit dem Auto zu fahre, um diese zu entsorgen. Der Restmüll werde alle zwei Wochen in einen anderen Landkreis gefahren, um diesen zu verbrennen. Die Verbrennungsanlage in Burgkirchen sei abgeschrieben. Nun könne der Restmüll in trockene oder nasse Stoffe getrennt und dann entsorgt werden. Auch werde über eine Wertstoffentsorgung mittels Wertstofftonne nachgedacht.

 

Franz Zannoth berichtete, wie im Zweckverband in seinem Heimatlandkreis das Müllproblem angegangen wurde. Ziel war es den Restmüll so gering wie möglich zu halten und zu entgiften. Favorisiert wurden ein Holsystem und eine haushaltsnahe Entsorgung. Anfänglich wurde eine Liste von allen Wertstoffen erstellt, die im Wertstoffhof kostenfrei angenommen wurden und diese Liste wurde in den Jahren enorm ergänzt. Beim Hausmüll könne der Kunde sich zwischen verschiedenen Tonnengrößen und einer wöchentlichen oder vierzehntägigen Entleerung entscheiden. Die Biotonne werde wöchentlich entleert. Sperrmüll und Holz werde achtmal im Jahr vor der Haustüre abgeholt. Auch die Gartenabfälle werden achtmal jährlich geholt. Flächendeckend gebe es zudem den gelben Sack. Des Weiteren fahre das Giftmobil. Am Wertstoffhof werde zudem alles angenommen, außer Hausmüll und Gewerbemüll gegen Bezahlung. Zudem wurde am Wertstoffhof ein Sozialkaufhaus eingerichtet „Trödel und Tratsch“ werde dies genannt. Was aus dem Sperrmüll noch verwertbar ist, werde hier verkauft. Auch können die Bürger, so Zannoth altes Zeug, dass sie nicht mehr brauchen, hier spenden. An das Kaufhaus angeschlossen ist auch eine kleine Gaststätte. Mittlerweile, so Zannoth, habe sich diese, wie auch das Kaufhaus zu einem Treffpunkt und Kontaktbörse gewandelt. Der Zweckverband arbeite mit eigenem Personal und eigenem Fahrzeug. Finanziert werde dieser über die Müllentsorgungsgebühren und über den Weiterverkauf von Wertstoffen. Die Kalkulation gehe auf, betonte er.

 

In der Diskussion wurde Zannath gefragt, wie zwischen wöchentlicher und vierzehntägiger Abholung unterschieden werde. Die Tonnen seien gekennzeichnet und die Müllwerker kennen sich aus. Ob die Wertstoffentsorgung in privater oder öffentlicher Hand sein solle, fragte Monika Berlitz. Hier entgegnete Zannoth, dass früher die öffentlicher Hand dies günstiger organisieren konnte, heutzutage aber, da auch diese Steuern zahlen müsse, bei der Ausschreibung oft weniger günstig wegkomme. Die Bioentsorgung auf freiwilliger Basis sei nicht effektiv, meinte Dr. Dieter Hahn und fragte nach Anreizen. Im Zweckverband wurde die Eigenkompostierung durch die Verteilung kostenloser Komposter forciert.

 

Bürgermeister Rudi Jantke meinte, dass aus seiner Sicht die Müllentsorgung drei Grundkomponenten aufweisen müssen. Diese müsse ein Service für den Bürger sein, ökologisch vertretbar und zudem auch noch bezahlbar bleiben. In Grassau gebe es das Problem, dass der Nachbarlandkreis einen besseren Service und weniger Gebühren wie der Landkreis Traunstein verlange. Auch sei der Wertstoffhof Bernau für die Rottauer Bürger schneller zu erreichen und weniger weit entfernt. Sein Bestreben sei möglichst viel Hol- und wenig Bringsystem in die Wertstoffentsorgung einschließen zu lassen. Hierfür wäre ein zentraler Wertstoffhof, der neben den gängigen Wertstoff auch E-Schrott, Sperrmüll und Bauschutt annehme geeignet. Roland Amstädter berichtete aus seiner Heimatgemeinde, die die Müllgebühr nach Haushaltsgröße berechne, die Grüngutsammelstelle Tag und Nacht geöffnet sei und man kompostierte Erde sogar kostenlos abholen dürfe. Das größte Defizit im Landkreis sei das Holsystem, so Xaver Schreiner. Ihn interessierte vor allem das Sozialkaufhaus. Auch im Achental gebe es sicherlich hierfür Bedarf. Laut Zannoth treffen sich dort nicht nur sozial Schwache. Drei Damen im Schichtbetrieb kümmern sich um Gaststätte und Kaufhaus. Wie Jantke hinzufügte, sei der Grassauer Wertstoffhof ebenfalls eine Kommunikationsbörse. Kontainerstandplätze seien in der Gemeinde immer ein Problem. Für mehr Service plädierte auch Kreisrat Alfons Baumgartner. Einen Grüngutsammelplatz immer offen zu halten, sei nicht ratsam, da unter das Grüngut auch anderes zugefügt werden könnte. Dr. Dieter Hahn meinte, dass man schon gut bedient wäre, wenn am Wertstoffhof auch Sperrmüll abgegeben werden könnte. tb

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