SPD setzt auf Energie-Autarkie durch Geothermie
Kreistagsfraktion am Traunreuter Geothermie-Bohrplatz
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Traunreut (sts). Seit Jahren ist die SPD im Kreistag ein großer Befürworter der Geothermie und hatte bereits eine Klausurtagung vor drei Jahren zu diesem Thema. Kein Wunder, schließlich hat der Landkreis Traunstein ideale Voraussetzungen für diese neue Energie durch seine zentrale Lage über den süddeutschen Molassebecken. Mit den Bohrstellen in Kirchweihdach und Traunreut wurden nun „Nägel mit Köpfen“ gemacht. Wie denn konkret die Technik dahinter in Traunreut aussieht und wann und wie es in Traunreut weitergeht, wollte eine Abordnung aus SPD-Vertretern Traunreuts und des gesamten Landkreises vor Ort in Erfahrung bringen.

Ginge es nach den Planungen der Betreiberfirma, der Geothermischen Kraftwerksgesellschaft Traunreut mbH (GTK), sollte schon seit Wochen gebohrt werden in Traunreut. Der Bohrplatz ist geraume Zeit fertig gestellt, es fehlt allein das wichtigste Utensil: der Bohrturm. Und der, so erfahren die interessierten Zuhörer von Traunreuts Zweitem Bürgermeister Ernst Ziegler, stehe immer noch in Kirchweihdach. Dort habe es Komplikationen bei der zweiten Bohrung gegeben, womit er schon überleitet zu Klaus-Dieter Giese, einem Maschinenbauingenieur, der den Großteil seines Lebens mit Bergbauprojekten vor allem im Osten Deutschlands betraut war und nun mit seinem breiten Erfahrungsschatz in Traunreut den Baufortschritt überwacht. Zusammen mit Bauingenieur Karl-Peter Ruhe habe er den Aufbau des Bohrplatzes betreut. Geothermie-Bohrungen haben jedoch ihre eigenen Gesetze und Traunreut sei eine besondere Herausforderung: „Hier müssen wir bis auf 5000 Meter tiefenbohren, das sind 1000 Meter mehr als in München und so tief wie bisher noch nie in Bayern!“ Nicht zuletzt deswegen wäre ein baldiger Baubeginn sinnvoll. Geplant wäre der Bohrungsbeginn für Ende Oktober gewesen. Zwei Bohrungen seien nötig, die erste um das 125 Grad heiße Wasser für die Energieerzeugung zu gewinnen, die zweite, um es mit 50 Grad wieder in die Tiefe zu pumpen. Dabei ist die Fördermenge von großer Bedeutung : 130 Litern je Sekunde sollen es schon sein. Die Bohrungen müssten dabei so geartet sein, dass die Entnahmestellen in 5000 Metern Tiefe weit genug (zwei Kilometer) von einander entfernt seien, um einen thermischen „Kurzschluss“ zu verhindern, was den Wirkungsgrad deutlich schmälern würde. Ein Großteil des heißen Wassers würde dann über ein Kraftwerk mit hohem Wirkungsgrad von 3,4 Megawatt Leistung zu Strom werden, der Rest würde in Fernwärme umgewandelt werden. Für die Betreibergesellschaft und den Grünwalder Investor war Traunreut auch deshalb so interessant, „weil hier alles sehr reibungslos verlief“. Die Stadt wollte, der Landkreis wollte und auch der Grundstückseigentümer unterstützte das Vorhaben so gut es ging. Auf die Frage von Fraktionsvorsitzender Waltraud Wiesholer-Niederlöhner nach einer finanziellen Beteiligung der Traunreuter Stadtwerke am 60 Millionen Euro schweren Großprojekt, entgegnete Ziegler, dass die Stadt gerne die Wärme abnehme, jedoch nicht in die große Finanzinvestition einsteigen wollte. Kreisrätin Elisabeth Holzner wollte aus erster Hand eine Einschätzung zur Lebensdauer dieses Kraftwerks wissen. Die vorsichtige Schätzung von Klaus-Dieter Giese ging von mindestens 40 Jahren aus, danach wäre der Wirkungsgrad wohl nicht mehr rentabel – „aber es hat ja bisher noch kein so altes Geothermiekraftwerk gegeben“.
