Zug für Multifunktionsterminal noch nicht abgefahren

Zug für Multifunktionsterminal noch nicht abgefahren
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19.02.11

SPD-Kreistagsfraktion befürwortet Weiterverfolgung des Bewerbungsverfahrens - Entscheidung für Teisendorf zu hinterfragen

 

Traunstein (sts). Für die SPD im Kreistag ist der Zug für das geplante Multifunktionsterminal in Weiderting zwischen Traunstein und Nussdorf noch längst nicht abgefahren. Bei einer ausführlichen Vorstellung des Vorhabens durch den Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Harald Schwarzbach und Karl Fischer, dem Geschäftsführer des Logistik-Kompetenz-Zentrums (LKZ) in Prien, kam die Fraktion zu der Überzeugung, dass die für Teisendorf getroffene Vorentscheidung als möglicher Standort für ein Terminal zu hinterfragen sei.

Als ausgewiesener Spezialist rund um die Transportlogistik in Europa und in der Region hat Karl Fischer vielfältige Erfahrungen vor allem mit der Verlagerung von Transporten auf die Schiene gemacht. „Während in der Schweiz bereits zwei Drittel und in Österreich schon ein Drittel des Transitaufkommens auf die Schiene verlagert werden, sind es in  Deutschland gerade mal zehn Prozent“, so Fischer zur aktuellen Situation. Dabei liege es auf der Hand, dass ab 300 Kilometer Strecke der Transport vor allem von Containern auf der Schiene günstiger sei als auf der Straße. Im Landkreis Traunstein ergebe sich noch eine besondere Situation: durch die ideale Lage zu den beiden Hauptportalen durch die Alpen, der Brenner- und der Tauernachse, habe man direkten und schnellen Zugang zu den begehrten Südhäfen in Italien. Hinzu komme, dass es gerade für den immer stärker wachsenden Güterschienenverkehr in Südostbayern zu wenig Umschlagpunkte gebe. „Das Chemiedreieck bekommt einen eigenen und Salzburg und München sind bereits zu weit entfernt“, so Fischer. LKW-Fahrverbote in der Schweiz und Österreich, sowie verschärfte gesetzliche festgelegte Rahmenbedingungen im Gütertransport zwingen zudem vermehrt zur Verlagerung auf die Schiene. Unter diesen Vorgaben habe die Wirtschaftsförderungsgesellschaft zusammen mit dem LKZ zunächst eine Analyse erarbeitet. Aus der ging klar hervor, dass der Bedarf eines Umschlagterminals im Landkreis Traunstein gegeben sei, jedoch nicht als Güter-, sondern als Multifunktionsterminal. „Mit einem Multifunktionsterminal lassen sich sowohl Container, kranbare Sattelauflieger und Wechselbrücken als auch Sattelauflieger und ganze LKW verladen. Das Angebot wird noch mit der Lagerung von Containern und Verlademöglichkeit in Wagons auf der Schiene abgerundet und passt so genau zu den Anforderungen der Region“, so Fischer. Blieb noch das Problem der fehlenden Elektrifizierung nach Weiderting. Dies, so der Logistikspezialist, könne man durch einen Wechsel von Elektro- auf eine Diesellok organisieren. Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner betonte, dass unbedingt die Belange der Bürgerinitiative hier ins Kalkül zu ziehen seien und empfahl eine Aussprache mit ihnen hinsichtlich ökologischer Aspekte.

Auf Basis dieser für Traunstein günstigen Rahmenbedingungen erarbeitete man unter der Regie der Wirtschaftsförderungs GmbH ein tragfähiges Gesamtkonzept. Dieses diente als Basis für den Kriterienkatalog, den das Eisenbahnbundesamt für die beiden konkurrierenden Standorte Traunstein und Teisendorf gefordert hatte. Als man im September informiert wurde, dass dem Standort Teisendorf der Vorzug gegeben werden solle, war man zunächst sehr enttäuscht. Bei den Fragen der technischen und betrieblichen Machbarkeit wurde der Standort Traunstein besser als Teisendorf gewertet; letztlich war es die vorher nicht bekannte hohe Gewichtung des Kriteriums Betreiberbeurteilung (25%), die die Entscheidung zugunsten von Teisendorf fallen ließ.

Alles in allem blieben zu der vom EBA getroffenen Entscheidung viele offenen Fragen, so dass sich auch der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser für eine Untersuchung des Verfahrens aussprach. Harald Schwarzbach hatte bereits im Oktober eine Anfrage beim Eisenbahnbundesamt zum Prüfbericht gestellt und wartet immer noch auf eine Antwort.


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