In der Hausgemeinschaft den Lebensabend genießen

In der Hausgemeinschaft den Lebensabend genießen
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19.02.11

SPD-Kreistagsfraktion wünscht mehr Nachdruck in der Entscheidung für das Zukunftsprojekts für Wohnen im Alter

 

Traunstein (sts). Wohnen im Alter muss nicht immer Altenheim oder Einsamkeit bedeuten. In jüngster Zeit haben sich hier neue Modelle aufgetan, welche auch die SPD-Fraktion im Kreistag unterstützen will. So informierte sie sich kürzlich in einer fraktionsoffenen Sitzung bei der Projektleiterin des Pilot-Projekts Senioren-Hausgemeinschaften Silvia Nett-Kleyboldt über ein alternatives Alterswohnmodell, welches „Best Agers“ im Alter von etwa 50 bis 55 Jahren unter Wahrung ihrer Individualität auf gemeinsames Wohnen im Alter einstimmt.

Im Rahmen der Seniorenkonferenz des Landkreises im Oktober letztes Jahres wurde die Initialzündung für dieses Zukunftsmodell gegeben und Diplomsoziologin Silvia Nett-Kleyboldt die Projektleitung übertragen. Die Idee dahinter ist naheliegend und attraktiv zugleich. Angesprochen ist die Gruppe der Mitfünfziger, die sich mit Planungslust und Lust auf Gemeinschaft einen neuen Lebensabschnitt angehen will. Dabei setzt diese Senioren-Hausgemeinschaft auf zweiterlei: „die Gemeinschaft findet sich und definiert gemeinsam ihr Wohnhaus“, so Silvia Nett-Kleyboldt. Die bis vor zwei Jahren noch als Lehrkraft in der Altenpflegeschule tätige Diplom-Soziologin unterstützt dabei den Findungsprozess der Wohngruppe sowie die Organisation der neuen Unterkunft, welche sich die SPD-Fraktion als Investition der landkreiseigenen Wohnungsbaugesellschaft vorstellen könnte. Drei Monate lang tourte Nett-Kleyboldt hierfür durch den Landkreis, hielt Vorträge und warb um Interessanten. „Die Resonanz war teilweise überwältigend“, resümierte sie ihre Veranstaltungen. Konkret hatten sich aus den Interessentenkreisen zwei Gruppen in Raum Traunstein und im Raum Grassau herauskristallisiert. In mehreren Treffen haben sich nun überschaubare Gemeinschaften herausgebildet mit mittlerweile sehr konkreten Vorstellen, wie ihre neue Unterkunft aussehen könnte. „Wichtig war dabei, dass sich die Gruppe zusammenfindet, sich versteht und gleiche oder zumindest harmonierende Vorstellungen zu ihrer neuen Unterkunft hat“, so Silvia Nett-Kleyboldt. Und: „Es muss Freud und Lust an der Gemeinschaft da sein!“ Das Prinzip der Senioren-Hausgemeinschaft ist dabei etwas anders gelagert als das der Senioren-Wohngemeinschaft. Während die Wohngemeinschaft ohne eigene abgeschlossene Wohnung auskommt, gibt es in der Hausgemeinschaft eigene Wohnungen verbunden aber mit der Nutzung von Gemeinschaftseinrichtungen. Ein Vorbild hierfür stelle das seit Januar 2009 in Rosenheim bezugsfertige Haus „Gloria“ dar, so die Projektleiterin. Auch dort hatten die künftigen Bewohner (sechs Frauen und ein Ehepaar) ihre konkreten Vorstellungen zusammen mit den Planern und der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises (welche auch der Träger des Hauses ist) verwirklicht. Viele hatte sich für den neuen Lebensabschnitt von ihrem alten Haus getrennt, um in einer überschaubaren Wohnung ihren Lebensabend zu verbringen.

Nun befinde sich das Traunsteiner Projekt bereits in der zweiten Phase, der Standortsuche. Ein Grundstück in Grassau hatte man bereits in Aussicht, bevor es kurzfristig anderweitig verkauft wurde. Die Traunsteiner Gruppe ist an einem Areal des zum Verkauf stehenden Trifstadions interessiert. Eng verbunden mit der Grundstücksfrage ist auch die Frage nach dem Träger. „Prädestiniert ist hierfür die landkreiseigene Wohnungsbaugesellschaft“, so Fraktionsvorsitzende Traudl Wiesholer-Niederlöhner. Gespräche mit dem Kreiskämmerer und der der Leiterin der Seniorenkonferenz hätte es schon gegeben, so Nett-Kleyboldt. Nun sollten aber bald Entscheidungen getroffen werden, so Wiesholer-Niederlöhner und Fridolfings Bürgermeister Hans Schild, um die Interessanten nicht länger im Ungewissen zu lassen. Das Interesse an der Landkreis-Lösung sei groß, so die Projektleiterin, schließlich vermittle die kreiseigene Trägerschaft Sicherheit und Zuverlässigkeit. Für Franz Gnadl war klar: „Der Bedarf ist auf alle Fälle da. Wenn hier ein Projekt erfolgreich startet, wird der Stein ins Rollen kommen.“ Traunsteins Altoberbürgermeister Fritz Stahl unterstützte diesen Ansatz und sah in solchen Projekten „kein Risiko“ für den Landkreis. Außerdem, so der Stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser, gibt es ja grundsäzlich beide Möglichkeiten: eine Wohnung zu kaufen oder zu mieten. Um letztlich konkret entscheiden zu können, wünschte sich Traunreuts Zweiter Bürgermeister Ernst Ziegler „konkrete Zahlen auf den Tisch“. Auf alle Fälle, so die Fraktionssprecherin „brauchen wir zu allererst ein eindeutiges Signal für die Interessenten“, sonst fürchte sie wieder schwindendes Interesse an einem Modell mit Zukunft.


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