„Jungen Familien Orientierung geben“

„Jungen Familien Orientierung geben“
  Drucken
30.09.10

Jugendamtsleiter Reinhold Stutz im Dialog mit der SPD-Kreistagsfraktion: mit Familienbuch und GUSTL präventiv helfen

 

Traunstein (sts). Eltern ist es wichtig, ihren Kindern Selbstvertrauen, Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein zu vermitteln. Aber nicht alle Eltern sind gleichermaßen in der Lage, aktiv zu entscheiden und mit schwierigen Erziehungsfragen sind sie manchmal überfordert. In konkreten Lebenssituationen den Bedürfnissen von Kindern gerecht zu werden, ist ja nicht immer einfach – in Einzelfällen kann diese Überforderungssituation für Kinder fatale Folgen haben. Fälle von Misshandlungen bis hin zum tödlichen Schütteltrauma bei Säuglingen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Das Traunsteiner Jugendamt will mit verschiedenen Maßnahmen hier präventiv reagieren. Im Dialog mit der SPD-Kreistagsfraktion erläuterte Jugendamtsleiter Reinhold Stutz konkrete Maßnahmen, darunter das Familienbuch sowie das Projekt „Guter Start ins Kinderleben“ – kurz GUSTL im Rahmen der letzten parteiöffentlichen Fraktionssitzung.

Seit einigen Jahren versuche man auf die verschiedenen Defizite  in der Kindererziehung junger Eltern zu reagieren, so Reinhold Stutz. „Schon vor zwei Jahren haben wir im Rahmen von ‚Guter Start ins Kinderleben’ – kurz GUSTL – eine Fachberatungsstelle für Eltern mit Kindern und Säuglingen eingerichtet, um Jugendhilfe und medizinische Betreuung besser zu vernetzen“, erläuterte der Leiter des Amtes für Kinder, Jugend und Familie. Die neue Stelle kam sehr gut an und wurde vom Sozialministerium mit einem Sonderzuschuss bedacht. Der Erfolg ließ nun ein zweites Projekt entstehen: das Familienbuch. Darin finden sich wichtige Adressen für Familien mit Kindern bis zu drei Jahren – geordnet nach Sachthemen und Orten. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass gerade junge Eltern froh sind, um Unterstützung und Orientierung“, ergänzte Stutz. „Das Familienbuch ist dazu ein erster Schritt in die richtige Richtung.“ Nach Orten sortiert finden sich darin wichtige Anlaufstellen von der Geburtsvorbereitung (etwa Hebammen) bis hin zum Kleinkindalter. Gute Erfahrungen habe man auch mit videogestützter entwicklungspsychologischer Beratung gemacht. Dabei wurden jungen Müttern Videos gezeigt, wie der Alltag mit Kleinkindern heute auch aussehen kann und wie wichtig eine gute Mutter-Kindbeziehung ist. Manche Mutter fand sich in Sequenzen wieder, die zwar alltäglich aber eher abschreckend waren. Das erzeugt Betroffenheit und setzt Denkprozesse in Gang, so der Jugendamtsleiter. Auch wird so oft beiden Elternteilen bewusst, dass manche Stresssituation erst im Laufe der Monate entsteht, bis sie eskaliert. Schnell werde klar, dass etwa bei „Schreibabys“ irgendwann „die Nerven der Eltern blank“ liegen und im Affekt Aggressionen am Kleinkind ausgelassen werden – mit fatalen Folgen.

Das A und O, so war man sich in der Fraktion einig, sei ein intaktes Elternhaus. Wenn es hier schon massive Probleme auftreten, gelte es sensibel vorzugehen, Unterstützung anzubieten. Prävention zu leisten, wo möglich, helfe an vorderster Stelle, solche Schicksale zu vermeiden, so Stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser. Daher unterstütze die SPD-Fraktion gezielt den Sozialetat. Fälle, in denen nicht rechtzeitig agiert werde, münden oft in dauerhaft hohen Heimunterbringungs- und Betreuungskosten, so dass sich diese vorbeugenden Maßnahmen schnell rechnen. Da Arbeitslosigkeit oft mit ein Grund für schwierige Familienverhältnisse ist, sollte seiner Meinung auch ein Fokus darauf gesetzt werden, Familien aus der Erwerbslosigkeit zu befreien. Nach wie vor ein hohes Potenzial an wirksamer Hilfe sieht Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner in der sozialpädagogischen Familienhilfe, bei der Sozialarbeiter gezielt in die betroffenen Familien gehen und konkret meist projektorientiert unterstützen. Diesen Dienst weiterhin zu fördern und vielleicht so gar auszubauen erachtete die SPD als wichtiges förderliches Ziel. Gerade weil der Sozialetat zu den größten Posten im Kreishaushalt zähle, sei jede Maßnahme, die helfe, weitere kostenintensive Jugendbetreuungsfälle zu vermeiden, zu unterstützen.


Materialien und Serviceangebote

SPD Kreisverband Traunstein

Link zur Startseite des SPD-Kreisverbands Traunstein 
Nächster Termin:
Juso-Stammtisch Thema: Betreuungsgeld
20.05.2012 19:00
Gasthof "Zum Aubräu"