Altenpflege bedeutet in Zukunft mehr als „satt und sauber“
Kreis-SPD analysierte Zukunftsszenarien mit Diakonie-Geschäftsführer Thomas Zugehör
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Traunstein. Nachdem der Kreistags-Beschluss gefasst wurde, die Kreisaltenheime unter den Verbund einer GmbH zu stellen, stellt sich für die Kreistagsfraktionen die Frage, wie so ein Verbund konkret aussehen könnte. Die SPD im Kreistag hat deshalb erste Sondierungsgespräche geführt, unter anderem mit dem Geschäftsführer der Diakonie in Traunstein, Thomas Zugehör, und dabei mögliche neue Pflegeszenarien erarbeitet.
Mögliche Alternativen in der Betreuungsform für Altenheime gebe es viele, so der Diakonie-Geschäftsführer. Die Diakonie biete in Traunstein neben der „klassischen Betreuung“ im Haus an der Wartberghöhe auch noch „Betreutes Wohnen“ in der Crailsheimstraße an. In letzterem leben Senioren sehr eigenständig und werden von einem Service-Team betreut. Ein ganz neues Konzept biete man in der geplanten Seniorenwohnanlage in Inzell an. „Die Form des Lebens und Betreuens in dieser Anlage ist für die nächsten 30 Jahre ausgelegt, also für die heute 60- bis 70-jährigen und die haben ganz konkrete Vorstellungen für das Leben im Alter“, so Zugehör. Die Menschen werden immer älter, die Verweildauern in Altenheimen nehmen zu. Altenpflege dürfe in Zukunft nicht mehr bloß „satt und sauber“ bedeuten. Alte Menschen wollen in der Gemeinschaft und in der Nähe ihrer Angehörigen leben. Daher werde in Inzell bei der Standortwahl bewusst die Nähe zum Ort gesucht. Lebensgefühl und Erholungswerte beeinflussten zudem die Standortwahl. Der Trend gehe weg von den großen Betreuungshäusern, hin zu überschaubaren Wohneinheiten, so Zugehör. Um im immer stärker werdenden Konkurrenzkampf der Altenheime vor allem mit privaten Trägern bestehen zu können, müssten sozial-karitative Einrichtungen diese Entwicklung in ihren Planungen berücksichtigen. Auch für den Landkreis, der nun mit einer Bündelung seiner Altenheime unter dem Dach einer GmbH Defizite möglichst vermeiden wolle, stelle sich die Frage einer zukunftsorientierten Ausrichtung in der Betreuungsform. Problematisch sahen die Fraktionsmitglieder jedoch die hohe Eigenbeteiligung der Bewohner an einem Heimplatz in dem Inzeller Beispiel. Der Landkreis könne nur für den „Normalbürger“ Vorsorge treffen, nicht für eine finanziell sehr gut gestellte Schicht.
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Dennoch sei eine gemeinsame Trägerschaft mit einer Einrichtung wie der Diakonie denkbar. Auch Zugehör könne sich so eine Verbindung vorstellen, setzte aber eine „Anpassung des inhaltlichen und finanziellen Konzeptes“ für eine Zusammenarbeit voraus.
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Konkret besprochen wurde die sanierungsbedürftige Anlage in Trostberg. Das Kreisaltenheim, das mit der Anlage eines privaten Treibers in der Nähe unmittelbare Konkurrenz erhalten habe, müsse so umgebaut werden, dass es auch künftig bestehen könne. Der Bedarf sei zwar gegeben, aber nicht sofort, sondern erst die kommenden Jahre bis Jahrzehnte. Eine gesicherte Finanzierung setze aber eine zeitnahe Vollauslastung voraus, so Zugehör. Trostbergs Alt-Bürgermeister Walther Heinze ergänzte, dass das Trostberger Altenheim heute schon durch die zentrale Vergabe von Wäscherei und Einkaufsgemeinschaften mit den anderen Kreisaltenheimen besser bewirtschaft werden könne. Darüber hinaus müsse man für Trostberg weiterhin von einer Finanzierung über die Pflegesätze ausgehen. Von Vorteil wäre in Trostberg sicherlich die Konzentration auf Betreuungsangebote mit Alleinstellungsmerkmal, etwa die Behandlung von Altersdemenz. Generell, betonte Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner, wolle man den Schwerpunkt klar auf „persönliche Nähe“ in der Betreuung legen. Umgesetzt könne diese Vorgabe beispielsweise durch den vermehrten Einsatz von Pflegehelfern und –helferinnen werden, wodurch auch der Gemeinkostenrahmen niedrig gehalten werden könnte.
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Für die Zukunft sei es wichtig, fasste die Sprecherin zusammen, ein finanzierungsfähiges Konzept zu entwickeln, das für alle Kreisaltenheime gelte und mit dem eine menschliche Versorgung garantiert sei. Die Zusammenarbeit mit sozial-karitativen Träger wäre durchaus denkbar und wünschenswert. sts
