„Damit du bis zuletzt würdig leben kannst“

„Damit du bis zuletzt würdig leben kannst“
  Drucken
30.11.99

SPD-Fraktion für Palliativstation im Krankenhaus und Hospizbetreuung in Kreisaltenheimen


Traunstein.  Bis zum letzten Atemzug würdig leben und wenn möglich im Kreis der Angehörigen zu sterben ist eines der zentralen Anliegen der Hospizbewegung. Damit dieser Ansatz auch im Landkreis Traunstein gelebt werden kann, setzt sich die SPD-Kreistagsfraktion für eine Palliativstation in den Kreiskliniken als auch für eine Hospizbetreuung in Kreisaltenheimen ein. Diese Anliegen ergaben sich aus einem Fachgespräch zum Thema Hospiz mit der Vorsitzenden des Beirats der Hospizinitiative Traunstein Herta Simson.


Seit elf Jahren unterstützt Herta Simson die Hospizinitiative im Landkreis Traunstein. Motiviert durch Begegnung mit Hospizarbeit innerhalb der bereits sehr gut etablierten Hospizbewegung in England (die Engländerin Cecily Sanders ist die Begründering der Hospizbewegung) , trug sie diesen Impetus weiter in die Traunsteiner Bewegung. Mit Kursen und Fortbildungsmaßnahmen habe sie ihre fachliche Ausbildung im Laufe der Jahre ausgebaut. Für die Hospizbewegung bedeutet Sterbebegleitung eine umfassende Aufgabe, so Simson. Kranke und alte Menschen, die durch kurative Maßnahmen nicht mehr geheilt werden könnten, bräuchten neben der medizinischen Betreuung auch eine spirituelle ,seelische und soziale Begleitung auf ihrem letzten Lebensweg. „Der Mensch muss bis zuletzt spüren, dass er Wert und Bedeutung für sein Umfeld hat“, betonte die Beiratsvorsitzende der Hospizinitiative Traunstein , die unter dem Dach der Caritas tätig ist.  Dies erfordere ein ganzheitliches Konzept zur Unterstützung des Sterbenden und seiner Angehörigen. Zu so einem Konzept zähle auch die sogenannten Palliativmedizin. Schmerzen in der letzten Lebensphase so gut es geht zu lindern, sei eine der zentralen Anliegen der Hospizbewegung, so Simson. Aus diesem Grunde wolle man in enger Zusammenarbeit mit Ärzten und Fachpersonal vor allem auf sogenannten Palliativstationen  gezielt Schmerzen und Symptome behandeln. Derzeit werde an einem Gesamtkonzept für eine vernetzte Palliativversorgung im Landkreis Traunstein gearbeitet, so Simson. Da eine ganzheitliche Betreuung im Mittelpunkt stehe, sei ein interdisziplinäres Team bestehend aus Fachärzten, Seelsorger, Hospizdiensten, Krankengymnasten und weiteren sozialen Diensten gefordert. Als Grundlage für dieses Konzept diene das gemeinsame Modell des Anna-Hospizvereins und des Klinikums Mühldorf. Eine Palliativstation sei hierfür im Kreisklinikum Traunstein geplant, zumal es zwischen Salzburg und München keine stationäre oder tagesstationäre Hospiz- und palliativmedzinischen Einrichtungen gebe. Die Patienten werden auf der Palliativstation versorgt. Ein Palliativ-Konsiliardienst koordiniert  die stationäre Versorgung mit einem ambulanten Hospiz- und Palliativdienst. Im ambulanten Bereich übernimmt die Hospizinitative Traunstein mit ihrem Hospiz- und Palliativdienst, Pflegediensten, Hausärzten und Seelsorgern zusammen mit den Angehörigen die Versorgung . 

 

Dieses Konzept unterstütze die SPD-Kreistagsfraktion in vollem Umfang. Fraktionssprecherin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner betonte, dass die Schmerztherapie bereits zur festen Institution der Kreiskliniken gehöre und darauf aufbauend das Konzept erweitert werden könne. Da es sich bei der Palliativmedizin jedoch noch um eine verhältnismäßig junge Disziplin in Deutschland handle, die erst im Werden sei und zudem das Thema „Tod und Sterben“ großteils immer noch tabuisiert werde, müsse noch viel Aufbauarbeit geleistet werden, meinten Grassaus Bürgermeister Rudi Jantke und Kreisrat Raimund Schupfner. Ambulante Hospizarbeit geschieht überwiegend in Initiativen und Vereinen.. Kurse und Fortbildungen für Hospizhelfer müssten aus der eigenen Tasche bezahlt werden und ihre Arbeit ist  ehrenamtlich und damit unbezahlt. Trostbergs Altbürgermeister Walther Heinze sprach sich für eine Vereinsgründung aus, da auf diese Weise Fördergelder zusammenkämen. Heide Bär von der Hospizregionalgruppe Trostberg, die unter dem Dach der Internationalen Gesellschaft für Sterbebegleitung  und Lebensbeistand (IGSL) engagiert ist, berichtete von einem weiteren wichtigen Baustein der Hospizbewegung in Altenheimen. Bei der Arbeiterwohlfahrt würde beispielsweise großer Wert darauf gelegt, dass Sterbende nicht nur im Sinne der Hospizbewegung betreut, sondern auch das Sterben als solches möglichst im Kreis der Angehörigen stattfinde. Dieses grundlegende Prinzip wolle die SPD-Kreistagsfraktion auch in Kreisaltenheimen realisiert sehen. Auch Heide Bär plädierte für eine gesicherte Finanzierung der Hospizbewegung. Erste Gesetzesänderungen, die diesem Aspekt Rechnung trugen, seien bereits in Kraft (Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler habe ihr dies kürzlich bestätigt), es müssten aber weitere folgen, so Bär. Auch hier werde sich die SPD-Fraktion noch bei Bärbel Kofler stark machen.

 

Die SPD-Kreistagsfraktion stellte zudem noch den Antrag für die Gründung eines neuen Ausschusses für soziale Angelegenheiten, nach dem der bisherige Sozialhilfeausschuss aufgelöst wurde. Der Fraktion sei ein Dialog mit Vertretern der Wohlfahrtsverbände und den bisherigen Gruppierungen und Verbänden, die als beratende Mitglieder dem Sozialhilfeausschuss angehörten, von Bedeutung. „Wichtig ist für uns, dass auf Verwaltungsseite geklärt wird, was für ein Themenbereich in diesem Ausschuss behandelt werden kann und ob er beschlussfähig ist“, heißt es weiter in dem Antrag. Aufgeschlossen sei man den Vorstellungen der anderen Fraktion in dieser Thematik. Diskutiert wurde auch die Zukunft des Discobusses im Landkreis Traunstein. Nach einer Preiserhöhung und dem Verkauf von Einfach-Fahrt-Tickets wurde der Nachtexpress immer weniger genutzt, so dass mittlerweile das Defizit auf 100.000 Euro angewachsen sei. Zwei Faktoren hätten zudem die Linie geschwächt, so die Fraktionssprecherin. Die  Linien Ruhpolding und Achental seien stark rückläufig und Taxisammelfahrten machten den Discobus zunehmend uninteressant. Rudi Jantke meinte, man solle den Discobus vermehrt für attraktive „Events“ einsetzen, zu denen Jugendliche in Scharen strömen. Da der Nachtexpress für viele Bürger das einzige öffentliche Verkehrsmittel am Abend darstelle, sprach sich Waltraud Wiesholer-Niederlöhner für den Erhalt aus und empfahl die Linie besser zu bewerben. sts


Materialien und Serviceangebote

SPD Kreisverband Traunstein

Link zur Startseite des SPD-Kreisverbands Traunstein 
Nächster Termin:
Juso-Stammtisch Thema: Betreuungsgeld
20.05.2012 19:00
Gasthof "Zum Aubräu"