„Junge Menschen auf alle Fälle in Arbeit bringen“
Jugendamtsleiter Reinhold Stutz erläuterte SPD-Kreistagsfraktion aktuelle Situation in der Jugendhilfe
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Traunstein. Die jüngst in den Medien heftig diskutierte demografische Rückentwicklung Deutschlands bereitet in Zusammenhang mit Negativtrends in der gesellschaftlichen Entwicklung auch in der Jugendhilfe im Landkreis Sorgen und übt indirekt auch Einfluss auf die finanzielle Belastung des Kreishaushaltes. In einem Gespräch mit der SPD-Kreistagsfraktion erläuterte daher Jugendamtsleiter Reinhold Stutz die aktuelle Situation in der Jugendhilfe und in welchen Bereichen derzeit akuter Handlungsbedarf besteht.
Allgegenwärtig, so der Jugendamtsleiter, seien die Probleme, mit denen die heutige Gesellschaft und die Jugendhilfe im Speziellen zu leben habe. „Man braucht nur die Tageszeitung aufschlagen und findet beinahe täglich Meldungen zu Geburtenrückgang, fehlenden Kindergärtenplätzen, unsichere Familienzukunft und hohen Scheidungsraten“, schilderte Stutz die aktuelle Situation. Um den Auswirkungen dieser Negativtrends entgegenzuwirken, agieren die mittlerweile 42 Mitarbeiter im Jugendamt mit einem festen Budget und definierten Zielvereinbarungen vor allem fallorientiert. Dort präventiv eingreifen, wo sich ansonsten später unabsehbare Folgekosten durch Gerichtsverhandlungen oder Heimunterbringungen ergeben könnten, sei ein wesentliches Ziel in der Jugendarbeit. Auch wenn der Nutzen nur schwer messbar und am Anfang vielleicht auch nicht gleich erkennbar sei, sei diese Arbeit von zentraler Bedeutung, so Stutz. Letztes Jahr wurden für die Arbeit des Jugendamtes 10,6 Millionen Euro ausgegeben. Knapp zwei Millionen Euro wurden eingenommen. Seit drei Jahren sei die finanzielle Lage im Jugendhilfeetat stabil, womit man zufrieden sein könne. Nicht zuletzt auch dank einer Initiative der Kreistags-SPD habe man das Personal im wichtigen Bereich der sozialpädagogischen Familienhilfe aufstocken können. Eine Investition, die, wie der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser bemerkte, sich heute schon durch das Einsparen von Heimunterbringungen bezahlt gemacht habe. Stutz bestätigte diese Entwicklung anhand deutlich gesunkener Ausgaben für Heimunterbringungen. Man habe auch erfolgreich die Zusammenarbeit mit Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas oder Diakonie etwa bei der sozialen Gruppenarbeit gesucht und gefunden. Stutz nannte als Beispiel ein zeitlich befristetes Projekt an der Grundschule in Fridolfing. Hier werden Kinder, die am sogenannten Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsyndrom (ADHS) leiden, zusammen mit ihren Eltern betreut. Wie Fridolfings Bürgermeister Johann Schild bestätigte, war vor allem die Zusammenarbeit mit den Eltern sehr konstruktiv. Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner und Kreisrätin Elisabeth Holzner wiesen darauf hin, dass dieses erfolgreiche Projekt durchaus Schule machen könne und wollten wissen, ob hierfür ausreichend Budget auch für andere Schulen im Kreis vorhanden sei. Aufgrund der zeitlichen Befristung wären bis zu zehn solcher Maßnahmen möglich, entgegnete hier der Jugendamtsleiter.
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Stutz schilderte zahlreiche Fälle aus der Praxis, die aufzeigten, wo Hilfe präventiv geleistet werden könnte. Dabei bemerkte er, dass auch im Landkreis Traunstein viele Familien existieren, die sich nicht mehr ausreichend um ihre Kinder kümmerten. Einen Problemschwerpunkt bilden aber nach wie vor Jugendliche. Reinhold Stutz berichtete von einer Gothikszene im Süden des Landkreises, unkontrolliertem Alkohol-, Fernseh- und Videokonsum, was insbesondere bei vernachlässigten Kindern anzutreffen sei. Oft gäbe es auch einen schockierenden „Vererbungseffekt“. Wenn in einer Familie bereits die Oma in frühen Jahren vergewaltigt wurde, so durchleiden dieses Schicksal oft auch die nachfolgenden Generationen über die Mutter und die Tochter bis hin zur Enkelin.
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Heftig diskutiert wurden die Auswirkungen des neuen Bayerischen Kinderbildungs- und –betreuungsgesetzes (BayKiBiG). Die anwesenden Bürgermeister Rudi Jantke und Johann Schild versuchten hier mit vorausschauender Planung auf alle Fälle den Personalbestand zu halten und wünschten sich vom Jugendamt Unterstützung, etwa bei der Bereitstellung von Kinderhorten. Gerade bei knappen Bedarfen, empfahl Reinhold Stutz die Schaffung von kommunenübergreifenden Einrichtungen.
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Ein besonders großes Anliegen war dem Jugendamtsleiter die Ausbildung von Jugendlichen. Für das Wertigkeits-Empfinden eines Jugendlichen, sei es besonders wichtig, dass er oder sie einen Ausbildungsplatz erhalte. Stutz appellierte hier vor allem an die ausbildenden Unternehmer, jedem arbeitswilligen Jugendlichen eine Chance zu geben. Diese Bereitschaft bekundete Kreisrat und Bauunternehmer Michael Mayer, betonte gleichzeitig aber auch, dass vom jugendlichen Lehrling konstruktive Mitarbeit erwartet werde. Kreisrätin und Angestellte bei der Bundesagentur für Arbeit, Gabi Ahne, betonte die Wichtigkeit einer Ausbildungsplatzvergabe, da in diesem kritischen Stadium der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen oft die Weichen gestellt werden für Dauerarbeitslosigkeit oder geregeltes Berufsleben. sts
