Mehr Prävention als „Reparaturwerkstatt“ im sozialen Bereich

Mehr Prävention als „Reparaturwerkstatt“ im sozialen Bereich
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30.11.99

SPD-Kreistagsfraktion diskutiert Grundsatzprogramm für die kommenden Jahre

 

Traunstein. Arbeitsplätze in der Region sichern, die Krankenhausinfrastruktur erhalten und verstärkt Prävention im sozialen Bereich fördern anstatt „Reparaturwerkstatt“ zu sein, dies sind wesentliche Eckpunkte aus dem Grundsatzprogramm, das die SPD-Kreistagsfraktion kürzlich in einem ersten Entwurf erarbeitete.


Mit ihrem innovativen und zukunftsorientierten Programm will die SPD im Kreistag ganz klare Akzente setzen und dabei dem roten Faden in ihrer Politik der vergangenen Jahre konsequent weiter folgen. Allen voran sind es die sozialen Aufgaben im Landkreis und darin vor allem die Prävention, welche die Fraktion in den Mittelpunkt ihres Programms rückt. Die aktuellen Meldungen in Zusammenhang mit Jugendkriminalität (gerade durch die Vernachlässigung bis hin zur Misshandlung im Elternhaus) bestärken die SPD, vorbeugende Maßnahmen weiter zu fördern. Dazu gehöre etwa die Fortführung der Jugendsozialarbeit an jeglichen Schulen, der Einsatz von Familienhelfern, die Qualifizierung von Tagesmüttern, die Förderung des Mütterzentrums oder die Unterstützung von Kommunen beim Aufbau von Hort- und Kindergartenplätzen. Vor allem das Bröckeln der gewachsenen sozialen Strukturen verursache Probleme, die in einem spätem Stadium erkannt, nur mehr teuer „behandelt“ werden können. „Die Kunst wird es sein, das Wesentliche im Auge zu behalten und das Machbare bezahlbar zu machen“, so die Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner. Je eher man eingreife, umso mehr Schaden könne abgewendet werden, fügte Kreisrätin Gabi Ahne hinzu.

 

Auch im Gesundheitswesen, speziell bei den Kreiskrankenhäusern gelte es, rechtzeitig auf negative Entwicklungen zu reagieren. Mit der Umwandlung der Gesellschaftsform in eine GmbH hatte die SPD im Kreistag sehr zeitig die Weichen richtig gestellt, so stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser. Über die enge Kooperation mit den Krankenhäusern im Berchtesgadener Land „haben wir die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen, wettbewerbsfähig zu bleiben und die medizinische Versorgung zu verbessern“, ergänzte er. Dabei gehe es der Fraktion vordergründig um die „Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Patienten“. Um dies zu gewährleisten, müsse nicht nur die medizinische Versorgung dem aktuellsten Stand der Technik entsprechen, sondern vor allem auch das Personal gestärkt und gefördert werden. Um Arbeitskräfte generell im Landkreis zu halten und damit Arbeitsplätze zu erhalten, solle die Infrastruktur ausgebaut werden. Dazu zähle neben dem Ausbau der B299/304 sowie der Kreisstraßen auch die Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs, der Wirtschaftsförderung sowie der landwirtschaftlichen Strukturen etwa in Form von Direktvermarktung. Dabei legte Traunreuts Bürgermeisterstellvertreter Ernst Ziegler Wert darauf, dass im Rahmen des ÖPNV unnötige Parallelfahrten von Bus und Bahn künftig vermieden werden sollten. All diese Maßnahmen müssten natürlich so weit möglich unter ökologischen Gesichtspunkten umgesetzt werden, ergänzte Kreisrat Martin Ober. „Umweltschutz bedeutet für mich auch Landschaftspflege“, so Ober weiter. Nachhaltiger Umweltschutz könne auch durch den Erhalt und eine gezielte Erweiterung der Naturschutzgebiete sichergestellt werden, fügte Trostbergs Alt-Bürgermeister Walther Heinze hinzu.

 

Eine tragende Rolle komme der Familie als Keimzelle der Gesellschaft zu, so Wiesholer-Niederlöhner. Damit diese sich im Landkreis entfalten könne und gestärkt werde, müsste die „Erziehungsinfrastruktur“ vom Hort bis zur Berufsschule gefestigt werden. Dazu zähle nicht nur der Ausbau der Ganztagesbetreuung, sondern auch die individuelle Förderung der Kinder. Um dem Hauptschulsterben zu begegnen, müsste neue Konzepte und Wege gefunden werden, etwa über Regionalschulen so Grassaus Alt-Bürgermeister Raimund Schupfner. Mütter müsste Bedingungen vorfinden, um ein Leben mit Kind und Arbeit in Einklang bringen zu können. Auch im Alter müssten die Landkreisbewohner eine intakte Versorgung vorfinden, wenngleich Ernst Ziegler und Raimund Schupfner betonten, dass Senioren so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben können sollten. Selbiges gelte auch für die behinderten Mitbürger. Sepp Konhäuser betonte, dass sich hier der Landkreis auf eine neue Situation einstellen müsse, da nun vermehrt alte Menschen mit Behinderung betreut werden müssten. sts


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