Heimat, Hightech, Highlights – den Standort wappnen für die Zukunft
SPD-Kreistagsfraktion sprach mit Leiter der Wirtschaftsförderung über die Zukunft der Wirtschaft im Landkreis
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Traunstein(sts). Akademikernachwuchs fehlt, die Jugend wandert in die Städte ab und das nahe Salzburg gerät mehr und mehr zum Wirtschaftsmagnet, der seine Nachbarschaft in den Schatten stellt. Dieser Entwicklung zu begegnen, die richtigen Akzente setzen und eine Richtung vorzugeben, in der die Wirtschaft des Landkreises Traunstein nachhaltig gestärkt wird, das zählt zu den Aufgabengebieten, in denen sich der Leiter der Traunsteiner Wirtschaftsförderungsgesellschaft Harald Schwarzbach stark machen will. In einem detaillierten Vortrag vor der SPD-Kreistagsfraktion ging er auf die Entwicklungen, Möglichkeiten, Chancen und Risiken der Wirtschaftsförderung im Landkreis ein.
Nicht von ungefähr kam die Einladung an den Wirtschaftsfachmann, schließlich war die SPD im Kreistag die treibendende Kraft für die Wiederbelebung dieser mittlerweile gut etablierten Stelle im Landkreis Mitte der 90er Jahre. Wie wichtig sie mittlerweile für die wirtschaftliche Gesamtentwicklung des Landkreises ist, zeigte Harald Schwarzbach in seinem Vortrag auf. Er selbst bezeichnete sich als „Kümmerer“ in den Wirtschaftsangelegenheiten des Landkreises. Als solcher ist er Ansprechpartner für den Landrat, die Kommunen und Investoren aber vor allem für die Unternehmen im Landkreis in der Funktion eines Lotsen, der nicht nur Infos verteilt, sondern auch Netzwerke knüpft und Motor für Kooperationen in der Region sein will. Ihm zur Seite steht eine Assistenzkraft im tagtäglichen Geschäft und darüber hinaus der Aufsichtsrat, welcher mit den Mitgliedern des Kreisausschusses und drei Vertretern des neu geschaffenen Beirats - bestehend aus Fördermitgliedern der heimischen Wirtschaft - besetzt ist. Mit dieser „Mannschaft“ will der „Lotse“ das Schiff „heimische Wirtschaft“ in eine sichere Zukunft steuern. Eine nicht ganz leichte Aufgabe, sind doch unterschiedlichste Wirtschaftsregionen und -situationen unter einen Hut zu bekommen: im Norden der Industrie- und Gewerbesektor (Chemiedreieck und Traunreuter Großindustrie) samt Landwirtschaft, im Süden ist es der Tourismus, im Westen beginnt bereits der Pendlerbereich nach München und im Osten expandiert Salzburg immer mehr, was aber auch Chancen im Zusammenhang mit der Euregio-Anbindung bietet. Noch stehe der Landkreis wirtschaftlich gut da: mit einer geringen Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent und einer starken heimischen Wirtschaft mit internationaler Bedeutung. Damit dies auch so bleibe, unterstützt die Wirtschaftsförderung die heimische Wirtschaft mit Sprechtagen (Aktivsenioren oder „Business Angels“ stehen mit langjähriger Erfahrung ebenso wie die Kammern zur Seite) und einer gezielten Fördermittelberatung, die gerne in Anspruch genommen werde, da die Region 18 (die Landkreise Rosenheim, Traunstein, Mühldorf, Altötting und Berchtesgadener Land) im Grunde genommen keine Förderregion sei. Mit Arbeitskreisen (die aus Mitgliedern der heimischen Wirtschaft bestehen) werden Partnerschaften geknüpft und Synergien genutzt. „Unser Nachwuchs ist unser Zukunftskapital“, so Schwarzbach. Im Rahmen des Programms „Bildung und Infrastruktur“, in die der Landkreis in den kommenden Jahren über 80 Millionen Euro investieren will, sollen neben dem Ausbau der heimischen Schulen (z. B. Annette-Kolb-Gymnasium in Traunstein) auch Partnerschaften mit den angrenzenden Hochschulen ausgebaut werden. Dazu zählen Kooperationen mit der FH in Rosenheim, die Außenstelle der TU München in Trostberg oder die Zusammenarbeit selbiger Uni mit der Salzburger Uni (mit einem Technik-Modul-Studium in der Region). „Ein Oberzentrum wäre im Landkreis nötig, um eine Fachhochschule zu etablieren“, so der engagierte Fachmann. Zu einem gewinnbringenden Ausbau der Infrastruktur des Landkreises zähle für Harald Schwarzbach neben den großen Ortsumgehungen der geplante Containerbahnhof nördlich von Traunstein, über den die heimische Wirtschaft zu kurzen Wegen für eine schnelle Transportanbindung käme. „Die verladenden Unternehmen in der Region repräsentieren mehr als 20.000 Arbeitsplätze und hoffen auf eine baldige Realisierung eines Container-Umschlagsterminals im Landkreis“.
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Um die wirtschaftliche Zukunft des Landkreises zu sichern, gelte es vor allem die Entwicklung der österreichischen Nachbarn im Blick zu behalten. Vor allem Salzburg expandiere derzeit sehr stark, nicht zuletzt aufgrund einer konsequenten Nutzung der EU-Förderprogramme. Dies gehe dem Landkreis Traunstein ab, zudem sei eine „Kooperation auf Augenhöhe“ mit dem Land Salzburg kaum möglich, da die Region 18 unter der bayerischen Landesebene angesiedelt sei. „Wir haben hier schlichtweg ein Ebenenproblem“, erläuterte Schwarzbach, was so auch stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser bestätigte: „Salzburg hat Büros in Brüssel, wir nicht!“ Dadurch entwickelten sich um die Region 18 herum immer stärker werdende „Metropolregionen“: neben Salzburg seien dies vor allem die „MAI-Metropolen“ (München Augsburg, Ingolstadt) und Nürnberg. Da auch der Tourismus im Salzburger Raum von dieser Förderkonstellation profitiere, gelte es auf diese Entwicklung adäquat zu reagieren. Schwarzbach: „Nur Handlungsempfehlungen sind zu wenig“, ein Gütesiegel müsse geschaffen werden. „Mensch Chiemgau“ könne eine Antwort auf diese Entwicklung sein. In den Stärkefeldern Ernährung, Gesundheit und Wellness könnte die Region neue Akzente auch im Tourismus setzen. Zudem biete der Landkreis Highlights aus der Wirtschaft mit internationalem Bekanntheitsgrad (etwa die Beteiligung heimischer Firmen beim Bau der Allianzarena) sowie Spitzensportler (Biathlon, Eisschnelllauf), die auch für die Region als „Botschafter“ besser vermarktet werden könnten. Dies sahen auch Sepp Konhäuser und Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner so. Insgesamt waren sie mit der Arbeit und Zielsetzung des Leiters der Wirtschaftsförderungsgesellschaft sehr zufrieden. „Gemessen an dem vielfältigen Aufgabenspektrum und den neuen großen Herausforderungen werden mit den verfügbaren Mitteln und Ressourcen die richtigen Impulse gegeben“, so Konhäuser. Für die Fraktionsvorsitzende zeigte der Vortrag von Harald Schwarzbach „eindeutig, dass die Wiederbelebung der Wirtschaftsförderung nicht nur richtig, sondern auch wichtig war“.
