Mütterzentrum: „Eltern auf Augenhöhe begegnen!“
SPD-Kreistagsfraktion sieht zentrale Bedeutung des Mütterzentrums – Mehr Vernetzung gewünscht
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Traunstein(sts). Die beinahe tagtäglichen Hiobsbotschaften zu Gewalt in Familien machen mehr denn je deutlich, wie wichtig eine frühe Begleitung erziehungsschwacher Familien sowie Betreuungsmaßnahmen in kritischen Fällen sind. Das Mütterzentrum in Traunstein hat diese Bedeutung bereits vor Jahren erkannt und mittlerweile eine zentrale Aufgabe in Prävention und Betreuung übernommen. Diese wichtige Institution verstärkt zu fördern und vor allem das Netzwerk zu anderen Einrichtungen im Kreis zu verstärken sieht die SPD-Kreistagsfraktion als dringende Aufgabe.
Wie groß der Bedarf im Bereich Familienhilfe und Unterstützung alleinerziehender Mütter ist, zeige der ungebremste, ja in letzter Zeit immer stärker werdende Andrang im Traunsteiner Mütterzentrum, das letztes Jahr sein 20jähriges Bestehen feierte. Die Leiterin und Gründerin Anja Preuster und ihre Mitarbeiterin Bernadette Sonnenhuber sprachen von einer Vollauslastung sämtlicher Angebote, angefangen bei der Kurzzeitkinderbetreuung über das Projekt „Baby-MüZe“ bis hin zur Krisenwohnung. Letztere ist mittlerweile 422 Tage im Jahr (durch Mehrfachbelegungen an manchen Tagen) ausgelastet – auch ein Beleg für die Bedeutung solcher Einrichtungen. „Spannend und interessant“ sei der internationale Frauenfrühstückstreff, dem mittlerweile 26 Frauen aus 16 Nationen angehören – der Beitrag des Mütterzentrums im Umfeld „Integration“. Eines der wichtigsten Aufgaben sei derzeit das Projekt „Baby-MüZe“. Präventiv solle dabei jungen Müttern und Familien, die mit ihrer neuen Situation überfordert sind, geholfen werden. „Wir wollen dabei den (werdenden) Eltern auf Augenhöhe begegnen“, so Preuster, die selbst Mutter von neuen Kindern ist. Dazu wurden mittlerweile 40 Frauen zum „Familien-Coach“ ausgebildet, der vor allem bei der Haushaltsorganisation unterstützt. Nicht nur der Umgang mit Kinder bereiten manchen jungen Familien Probleme, sondern auch der Umgang mit Geld. Die jungen Familien werden acht Stunden die Woche, teils auch von Hebammen begleitet, – auch das sei ein Projekt, das von der ehrenamtlichen Mitarbeit lebe. Finanziert werde die Arbeit der überwiegend ehrenamtlichen Helferinnen zu mittlerweile 40 Prozent aus Eigenmitteln (höchster Eigenanteil eines Mütterzentrums in ganz Bayern), Eltern zahlen einen kleinen Unkostenbeitrag, der Rest stammt aus staatlichen und Landkreis-Mitteln. Wie der Kontakt zu den Familien hergestellt werde, wollte Fraktionsvorsitzende und ebenfalls Vereinsgründungsmitglied Waltraud Wiesholer-Niederlöhner sowie Grassaus Altbürgermeister Raimund Schupfner wissen. „Großteils melden sich die Betroffenen selber“, so Anja Preuster. Bernadette Sonnenhuber ergänzte, dass die Institution Mütterzentrum bereits gut bekannt sei und auch aus dem sozialen Netz der betroffenen Mütter Kontakte geknüpft werden. Trostbergs Alt-Bürgermeister Walther Heinze sah in der Lücke, die das Mütterzentrum mit seiner Arbeit schließt auch ein politisches Versäumnis, auf das in der Vergangenheit zu wenig reagiert wurde. Was in den letzten Jahren ebenfalls ins Hintertreffen geriet, war die Vernetzung mit den verschiedenen Institutionen im Landkreis. Hilfseinrichtungen, seien es private oder von den Behörden betriebene, hätten oft das gleiche Klientel, wie das Mütterzentrum zu betreuen. Hier könnten Synergien besser genutzt werden, wenn „wir die Vernetzung verbessern“ würden, so Wiesholer-Niederlöhner. Mehr Schnittstellenarbeit zwischen Behörden und Verbänden sei gefordert, bestätigte auch Kreisrat Martin Ober. Rudolf Schenkl schlug entsprechende Beauftragte (wie sie es heute für Behinderte gibt) in den Gemeinden einzusetzen. Stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser sicherte seine Unterstützung zu, Gespräche mit dem Landrat werden angestrebt, um auch die Vernetzung mit Sozial- und Jugendämtern zu intensivieren.
