Attraktivität des Landkreises für Fachkräfte und Firmen erhalten
SPD-Kreistagsfraktion informierte sich beim Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Klaus Beier – Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 25 Prozent
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Traunstein(sts). Den Landkreis als Wirtschaftsstandort langfristig attraktiv halten sowohl für die ansässigen Firmen als auch für die immer knapper werdenden Fachkräfte erachteten sowohl der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein Klaus Beier als auch die SPD-Kreistagsfraktion zusammen mit der Traunsteiner SPD-Stadtratsfraktion in einem gemeinsamen Arbeitsgespräch als eines der vordringlichsten Ziele in der nächsten Zeit. Welche Maßnahmen hierzu erforderlich sind, wurden in dem Arbeitsgespräch erörtert.
Der Landkreis Traunstein verfüge zwar nicht über die niedrigste Arbeitslosenquote in Bayern (die hat Freising inne), stehe aber dennoch mit seiner derzeit bei 3,3 Prozent liegenden Quote ganz vorne in der Liste der Landkreise mit den niedrigsten Erwerbslosenzahlen in Bayern, so Klaus Beier. Bemerkenswert sei aber in erster Linie nicht die geringe Quote, so Beier, sondern vielmehr der massive Rückgang der Arbeitslosenzahlen vor allem in den sensiblen Kategorien im Vergleich zum Vorjahr. So nahm etwa die Arbeitslosigkeit der unter 25jährigen um über 35 Prozent, die der Langzeitarbeitslosen um 26 Prozent, der Frauen um 25 Prozent und die der über 50jährigen um 20 Prozent ab. Traunstein charakterisiere vor allem aber die geringste Dauer der faktischen Arbeitslosigkeit, was bedeutet, dass viele Betroffene nur kurz in Arbeitslosigkeit geraten und bald wieder im Erwerbsleben stehen. Diese insgesamt sehr positive Tendenz sei zum einen auf den wirtschaftlichen Aufschwung als auch auf die vielfältigen Maßnahmen, die in den letzten Jahren in diesen Bereichen ergriffen wurden, zurückzuführen. Auch auf dem Ausbildungssektor habe die Zusammenarbeit mit der Industrie und dem Gewerbe dieses Jahr Früchte getragen. Aktuell seien 16 Prozent weniger auf Lehrstellensuche als noch im Vorjahr, zeitgleich sei die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstätten um satte 27 Prozent angestiegen. Mit dieser Entwicklung entspannte sich die Situation auf dem Lehrstellenmarkt deutlich. Nebenbei, bemerkte Beier, habe sich die Hitliste der Ausbildungsberufswünsche sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen in den letzten Jahren kaum verändert. Dass auch Kommunen die Ausbildungssituation verbessern helfen könne, zeigte Traunsteins Oberbürgermeister Fritz Stahl auf. In seiner Kommune wurde eine neue Ausbildungsstelle im Bereich Straßenunterhalt geschaffen, die nun auch als Beruf anerkannt wurde.
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Warum die noch offenen 1700 Stellen nur schwer aus der Gruppe der 4900 Arbeitslosen im Landkreis zu besetzen sei, erläuterte Beier im Detail. Ein Grund sei, dass ein großer Teil weiblicher Arbeitssuchender darunter sei, der sehr oft aufgrund der familiären Situation Teilzeitstellen suche und bei der Wahl der Arbeitszeiten nicht die nötige Flexibilität bieten könne. Die offenen Stellen im Hotel- und Gaststättengewerbe führte Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner als auch Stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser vor allem auf die Konkurrenzsituation zum benachbarten Österreich zurück, die auf diesem Sektor mit höheren Löhnen locken. Von Seiten der Agentur für Arbeit wurden im Gaststättengewerbe bereits Kontakte mit Agenturen in Ostdeutschland geknüpft, um die Lücken in der Region zu schließen. Darüber hinaus sollen Qualifizierungsmaßnahmen helfen, auch in anderen Bereichen den Fachkräftebedarf zu decken. Ein weiteres Manko, die oft fehlende Mobilität, könnte wiederum in Zusammenarbeit mit den Kommunen etwa durch den Ausbau der öffentlichen Nahverkehrsinfrastruktur kompensiert werden. Einig waren sich hier die Kommunalpolitiker und Agenturvertreter, dass die Rahmenbedingungen, um Fachkräfte in der Region zu halten so gut als möglich verbessert werden müssten. „Der Chiemgau muss auch als Wirtschaftsstandort profiliert werden“, forderte Beier. Nur, wenn Fachkräfte in der Region leben und arbeiten wollen, hat die Region auch eine gesicherte Zukunft, bekräftigte Traunreuts Zweiter Bürgermeister Ernst Ziegler. Die Industrie habe hier für ein entsprechendes Stellenangebot zu sorgen, die Kommune Bildungseinrichtungen und Infrastruktur vorzuhalten und die Agentur für Arbeit habe Angebot und Nachfrage zusammenzuführen. Nicht zuletzt garantieren intakte Familienstrukturen und das eigene Engagement des einzelnen den gewünschten Erfolg.
