Synergie zwischen jung und alt könnte neue Potenziale schaffen

Synergie zwischen jung und alt könnte neue Potenziale schaffen
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30.11.99

SPD-Kreistagsfraktion informiert sich über geplantes Wohnstift der Traunreuter Jugendsiedlung e. V.

 

Traunreut(sts). Eine generationenübergreifender Synergie könnte bald schon in Traunreut Wirklichkeit werden und nicht nur helfen, die Kluft zwischen jung und alt zu überwinden, sondern auch der Zukunft lernschwacher Jugendlicher eine neue Chance zu geben. Das Projekt hierzu ist die geplante Erweiterung der Jugendsiedlung um ein Wohnstift, das alle Bereiche der Betreuung und Pflege von Senioren umfassen soll. Wie diese realisiert werden könne, erläuterte der Leiter der Berufsschule Alois Mühlhuber den Mitglieder der SPD-Kreistagsfraktion sowie der Traunreuter SPD-Stadtratsfraktion.

Seit weit über 50 Jahren ist die Jugendsiedlung eine etablierte Einrichtung in Traunreut. Zunächst dafür gedacht, Kriegswaisen und den vielen aus dem Osten Europas zugezogenen Jugendlichen eine adäquate Ausbildung zu vermitteln, die es ihnen ermöglichte, mit den modernen Fertigungsmaschinen umzugehen und den Anforderungen der neuen Techniken in der aufkeimenden Traunreuter Industrie gerecht zu werden, änderte sich bald schon die Grundintention dieser Bildungseinrichtung. „Wir erkannten zeitig den Bedarf, lernschwachen Jugendlichen den Weg ins Berufsleben genauso zu ebnen, wie dies bei allen anderen der Fall war“, so Alois Mühlhuber. So wurde schließlich in den 70er Jahren die besondere Berufsschule ins Leben gerufen. Bald schon entstand eine Förderberufsschule mit einem bayernweit einzigartig umfangreichen Angebot, um Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf im Lernen während ihrer Berufsausbildung schulisch zu begleiten. Seither haben an die 4000 Schüler an der Traunreuter Berufsschule ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Der Schule war dabei nicht nur die Zusammenarbeit mit den ausbildenden Betrieben wichtig, sondern auch der enge Kontakt zum Arbeitsamt, um den Jugendlichen nach deren Ausbildung auch eine reelle Anstellungschance bieten zu können. Mit der Unterstützung der Agentur für Arbeit hat die Jugendsiedlung darum sehr bald begonnen, selbst auszubilden. Im abgelaufenen Ausbildungsabschnitt wurden 115 Jugendliche in siebzehn anerkannten Ausbildungsberufen unterwiesen. Dazu zähle für Mühlhuber natürlich auch eine angemessene Vorbereitung aufs Berufsleben: „Bei uns sollen die Jugendlichen lernen, dass Leistung auch bedeutet, eine Aufgabe in einer angemessenen Zeit umsetzen zu können. Deshalb werden sie gefördert, wo es nötig ist und gefordert, wo es erforderlich ist. Nur so finden sie auch Akzeptanz im Berufsleben.“ Zudem gelte es, auf die sich ändernden Anforderungen in der Berufswelt zu reagieren und hierfür neue Wege zu beschreiten. Einer dieser neuen Wege mit einer großen Zukunft könnte die Altenpflege sein. Mühlhuber erkannte hier einen Bedarf für Pflegeberufe und -einrichtungen auf der einen Seite und ein neues Betätigungsfeld für die Jugendsiedlung auf der anderen Seite. „Senioren wohnen – Junioren lernen“ heißt das Projekt, zu dem Alois Mühlhuber den beiden SPD-Fraktionen die aktuellen Pläne vorstellte. Danach könnte die neue Einrichtung für Senioren am Standort der Jugendsiedlung an der Adalbert-Stifter-Straße entstehen. Über hundert älteren Menschen mit unterschiedlichem Wohn- und Pflegebedarf könnte die Einrichtung Platz bieten. Natürlich würde das Altenpflegeheim von einem professionellen Pflegedienst betreut. Die Jugendsiedlung würde ein umfangreiches Spektrum an Pflegeausbildungsberufen von der Hauswirtschaft bis zur ambulanten Pflege anbieten. Dabei könnte das soziale Betreuen bis zu Vorort-Hilfsdiensten wie Schneeräumen, Rasenmähen oder Äpfelpflücken reichen, so der Leiter der Jugendsiedlung. Weitere Synergieeffekte versprach sich Mühlbauer von der Integration eines Friseurbetriebs, eines Restaurants für die Bewohner und deren Gäste und eines „Tante-Emma-Ladens“, in denen ebenfalls Azubis der Jugendsiedlung ausgebildet werden könnten. Insgesamt solle verschiedensten zu betreuenden Gruppen Raum geboten werden, angefangen von gerontopsychiatrischen Gruppen über Wohn- bis hin zu Pflegegruppen. Von einem „faszinierendem Projekt“ mit einem beispiellosem Komplettangebot sprach stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser. Den Bedarf hierfür sah sowohl er als auch Fraktionssprecherin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner gegeben, zumal die demografische Entwicklung in eine klare Richtung weise. So sehe man auch keine Konkurrenz zu bestehenden Einrichtungen, wie Martin Ober nachhakte, sondern eine ideale Ergänzung zum Pflegeangebot. Diese Aspekte gelte es nun auch den Geldgebern, des von der Jugendsiedlung e. V. getragenen etwa 11 Millionen Euro kostenden Projekts zu vermitteln. Die Stadt Traunreut stehe auf alle Fälle dahinter, erläuterte Traunreuts Zweiter Bürgermeister Ernst Ziegler. Die SPD-Kreistagsfraktion empfahl, wenn möglich „klein anzufangen“. Insgesamt überzeugte sie das „durchdachte Konzept“, vor allem weil es mehr bietet, so Konhäuser, als das leider zunehmende „Satt-und-sauber“-Prinzip.


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