Neuorganisation des Tourismusverbands: „Synergieeffekte nutzen“
SPD-Kreistagsfraktion im Gespräch mit Chiemsee Tourismus e. V. – „Abstimmung statt Konkurrenz“
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Traunstein (sts). Derzeit formiert sich der Tourismusverband des Landkreises Traunstein neu. Bei dieser Neuorganisation sind Erfahrungen ähnlicher Institutionen sehr wertvoll. Die SPD im Kreistag informierte sich daher beim Chiemsee Tourismus e. V., welcher in den letzten Jahren ebenfalls durch moderne Konzepte einen gestärkten Tourismusverband entwickelte und sprach dabei Konkurrenzsituationen und Synergieeffekte an.
Mit 19 Mitgliedsorten rund um den Chiemsee ist der Chiemsee Tourismus e. V. einer der größten Tourismusverbände der Region und zeigte in den letzten Jahren durch innovative Konzepte, dass auch die viele Jahre unter rückläufigen Besucherzahlen leidende Branche wieder einen Aufschwung erleben kann. Im letzten Jahr konnte man erstmals wieder mit einem Plus von 30.000 Übernachtungen (insgesamt waren es 2,42 Millionen bei 20.000 Betten und 2.000 Beherbergungsbetrieben) wieder einen Zuwachs verbuchen, so Hermann Roth, der Geschäftsführer des Vereins, der als Rechtsform eine „e. V. & Co.KG“ gewählt hat. Der Tourismusverband nimmt dabei die Rolle des Komplementärs ein, die Mitgliedsgemeinden und privaten Gesellschafter die der Kommanditisten. Beide sind jedoch unter einem Dach zusammengefügt und verfolgen dasselbe Ziel, „die Tourismusförderung der Chiemseeregion“. Der Beirat der KG, in den kürzlich auch Grassaus Bürgermeister Rudi Jantke gewählt wurde, entscheidet über Budget- und Personalangelegenheiten, ein Marketingausschuss steuerte die Werbestrategie der Chiemsee Tourismusverbandes. Das Budget von über einer Million Euro für dieses Jahr wird zu 30 Prozent für Personalausgaben und der restliche Löwenanteil für Marketingzwecke verwendet. Eingenommen werden von den Mitgliedsorten Sockel-, Marketing- und Nächtigungsbeiträge, die mit knapp 500.000 Euro die Hälfte des Budgets bedienen. Die andere Hälfte wird aus Erlösen (etwa dem Gastgeberverzeichnis) und verschiedenen Dienstleistungen erzielt. Damit werde nicht nur das zentrale Chiemsee-Infocenter in Bernau-Felden und seine umfangreichen Dienste (unter anderem ein Callcenter) finanziert, sondern auch das IRS, ein zentrales Online-Buchungssystem, sowie verschiedene öffentlichkeitswirksame Werbemaßnahmen. Wie er sich die Zusammenarbeit mit dem nun sich neu formierenden Tourismusverband des Landkreises Traunstein vorstelle, wollte stellvertretender Landrat Sepp Konhäuser wissen. Mit Landrat Steinmaßl habe die Zusammenarbeit einen Aufschwung erfahren, so Roth. Gemeinsame Marketingmaßnahmen könnten nun „enger verzahnt“ werden und Synergieeffekte genutzt werden. „Unser Ziel sollte es sein, mit weniger Mitteln mehr zu erreichen“, unterstrich Rudi Jantke. Auch er war als Grassauer Bürgermeister zunächst skeptisch, ob die Integration in den Tourismusverband für seine Gemeinde förderlich sei, wurde aber eines Besseren belehrt. Auch die „starken Tourismusorte“ haben mittlerweile eingelenkt und stehen hinter dem Verband. Offen sei noch die Interaktion zwischen der „Marke Chiemsee“ und der „Marke Chiemgau“. Während erstere in der breiten Öffentlichkeit wesentlich bekannter ist und den See in den Mittelpunkt rückt, setzt die zweite klar auf die Wintersportregion am Rand der Alpen. Für Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler müsse dieser Stellenwert (Chiemgau und Alpen) in einem neuen Tourismusverband erhalten bleiben. Zudem wünschte er sich Transparenz und Nutzenanalysen bei den Ausgaben des Verbandes. Einen „strukturierteren Tourismus“ forderte Sepp Konhäuser und wünschte sich für beide Verbände eine „solide gemeinsame Plattform“ für die Zukunft. Die Konkurrenz liege in Österreich und sei viele Jahr voraus. Der Landratsstellvertreter monierte die geringe Unterstützung vom Freistaat Bayern. Im Nachbarland sehe das anders aus. Auch würden dort Arbeitskräfte im Tourismus besser bezahlt und so qualifizierte Kräfte in der Region gehalten, ergänzte Fraktionssprecherin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner. Die Qualifikation der Mitarbeiter stehe beim Chiemsee Tourismus e. V. im Vordergrund, so Hermann Roth. Jüngst erst wurde über „E-Fitness“-Programme auf die Arbeit mit den neuen Medien eingestimmt und vorbereitet. Insgesamt so die Fraktionssprecherin könne man noch einiges lernen vom Chiemsee Tourismus und müsse klar erkennen, dass künftig nur mehr „in Regionen gedacht werden“ darf. Der Chiemgau sei gut aufgestellt und habe vieles zu bieten, müsse sich nun aber zügig für die Zukunft rüsten.
