Unter einem Dach an einem Strang für einen starken Tourismus

Unter einem Dach an einem Strang für einen starken Tourismus
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19.06.10

Tourismus-Geschäftsführer Michael Lücke erörtert mit SPD-Kreistagsfraktion Strategien für die Zukunft der Urlaubsregion

 

Traunstein (sts). Der Tourismus gehört zu den zentralen wirtschaftlichen Stützen in der Region. Auch die SPD im Kreistag sieht dies so und unterstützt strategische Maßnahmen, um die Übernachtungszahlen in der Region wieder zu verbessern. Im Gespräch mit dem neuen Geschäftsführer des Chiemgau Tourismus e. V. Michael Lücke wurden daher weitere konkrete Maßnahmen erörtert, um die Tourismus-Region zu stärken. Klares gemeinsames Ziel dabei für Kreis und Kommunen: unter einem Dach an einem Strang ziehen.


Der gebürtige Westfale bringt nicht nur eine profunde Tourismus-Ausbildung, sondern auch besonders für die Belange der Region wertvolle Erfahrungen mit. Als er zum 1. April seine neue Stelle als Geschäftsführer des neu gegründeten Chiemgau Tourismus e. V. antrat, wechselte er vom Harz ins Voralpenland. Seine letzte Anstellung wies viele Parallelen zur Situation im Landkreis auf: verschieden entwickelte Regionen über drei Bundesländer verteilt (noch geprägt von der deutschen Ost-West-Trennung) mussten zusammengeführt, gemeinsame Stärken erkannt sowie Synergien gefunden und genutzt werden. Auch im Landkreis gilt es, die „Welten“ westlich, östlich und südlich vom Chiemsee mit ihren Interessenlagen unter einem Dach zusammenzuführen, ohne die individuelle Eigenständigkeit der angeschlossenen Kommunen einzuschränken. Nach dem letzten großen Boom zur Wende Anfang der neunziger Jahre litt der Chiemgau-Tourismus die letzten zehn Jahre verstärkt unter der Konkurrenz des Ferntourismus, der mit Billigflugangeboten die Massen anzog. Die Folge waren sinkende Betten-(von 44.000 auf 32.000) und Übernachtungszahlen. Zudem sorgte der Generationswechsel bei den Vermietern für einen Rückgang der Übernachtungsmöglichkeiten - eine Entwicklung, die laut Kreisrat Franz Gnadl unmittelbar zusammenhänge. Kurze Reisedauern und vor allem die Wirtschaftskrise verschärften den Trend in jüngster Zeit. Der Landkreis habe richtig erkannt, so Lücke, dass hier dringender Handlungsbedarf bestehe und über eine Million Euro in die Förderung des Tourismus investiert. Seine Aufgabe war es zunächst, das Fundament eines neuen Tourismus zu aufzubauen. Mit Schaffung der Marke „Chiemgau – Bayerns Lächeln“, getragen von einem Logo, das mittlerweile auf allen neuen Tourismusprospekten zu finden ist und auch von den angeschlossenen Kommunen schnell übernommen wurde, wurde ein erster wichtiger Schritt in der gemeinsamen Identifikation getan. „Wir wollen künftig mehr Lebensgefühl, Lifestyle, Lebensfreude vermitteln“, so Lücke. Ortswerbekataloge sollen künftig im Verbund beworben werden, das Internet als Trägermedium werde weiter ausgebaut werden. Die neue Zielgruppe werden neben den Familien die „Best-ager“ (vom englischen „bestes Alter“), also die Altersgruppe der über 55jährigen sein, bei der deutliche Wachstumsraten zu erkennen seien.  Den Chiemgau für Familien attraktiv zu machen, forderte SPD-Fraktionsvorsitzende Waltraud Wiesholer-Niederlöhner. Mit attraktiven Preisen, einem Kinderbetreuungsprogramm und Modellen für Familienurlaub auf dem Bauernhof wolle man dieser Anforderung entsprechen, so Lücke. Die Fraktionssprecherin wünschte sich zudem mehr „Programmangebote“. Landratsstellvertreter Sepp Konhäuser sah in den Kindern gleichsam die Zukunft: „Wenn die  hier einen schönen Urlaub verbringen, kommen sie gerne als Erwachsene wieder“.  Er wähnte in der Vernetzung von Einzelangeboten aus verschiedenen Kommunen noch enormes Potenzial, den Tourismus attraktiver zu gestalten. Wo aus Sicht von Michael Lücke ebenfalls noch Raum für Weiterentwicklung bestehe, seien im Event-, Wellness- und Sportsegment. Das deutschlandweit hervorragend ausgebaute Radnetz könnte in den Angebotskatalogen genauso beworben werden, wie attraktive Almwanderungen, Sportgroßveranstaltungen und die kulinarisch-traditionellen Spezialitäten. Wichtig, so Waltraud Wiesholer sei bei der Forcierung der Freizeitveranstaltungen, auch den öffentlichen Personennahverkehr mit ins Kalkül zu nehmen. Wie Kreisvorsitzender Dirk Reichenau forderte, gelte es in den Kommunen das Bewusstsein zu schaffen, dass man diese neuen Herausforderungen nicht im Gegen-, sondern nur im Miteinander stemmen werde. Eine funktionierende „Innenkommunikation“ im Verband sei hier unabdingbar, so Lücke, denn „gelingen werde es nur gemeinsam“. Dass dieser Prozess nicht von heute auf morgen abgeschlossen sei, sondern Jahre dauern werde bis er zum Erfolg führe, bestätigte auch Grassaus Bürgermeister Rudi Jantke aus seiner Erfahrung im Chiemsee-Verband.


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