Florian Post sprach bei der Kreis-SPD
Stadtwerke München übernehmen Vorreiterrolle beim Klima- und Umweltschutz
Kommunalunternehmen setzt erfolgreich Energiewende um
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Traunstein. „Klimaschutz und ein nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Die Stadt München hat die Zeichen der Zeit erkannt. Mit Hilfe der SWM (Stadtwerke München GmbH), ihres kommunalen Unternehmens, nimmt München eine Vorreiterrolle ein und setzt sich an die Spitze bei Klima- und Umweltschutz.“ Florian Post, Referent des kaufmännischen Geschäftsführers der SWM, referierte beim SPD-Kreisverband im Traunsteiner „Haidforst“ über Historie, Aufgaben und Ziele seines Unternehmens. Bis 2025 wollen die SWM soviel Ökostrom in eigenen Anlagen produzieren, dass sie den Verbrauch von ganz München in Höhe von 7,5 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr decken könnten. Damit wäre München die erste Millionenstadt weltweit, die dieses Ziel erreicht.Â
Von Vorteil sei es hier natürlich, so Post, dass sich die SWM zu 100 Prozent in kommunaler Hand befänden. Aus bayerischer Sicht hingegen sei es ein Fehler gewesen, dass die Staatsregierung die vormals in öffentlicher Hand befindlichen Bayernwerke – mittlerweile in E.ON aufgegangen – verkauft habe und sich somit eines wesentlichen politischen Gestaltungsspielraums selbst beraube. München habe im Sinne der Daseinsvorsorge bewusst einen anderen Weg gewählt und die SWM als Unternehmen der Bürgerinnen und Bürger erhalten.
„Kein Systemwandel von oben!“
Eingangs erinnerte SPD-Kreisvorsitzender Dirk Reichenau daran, daß die Schlüsselrolle zum Umbau der Energieerzeugung hin zur sicheren, erneuerbarer Energie den Städten, Gemeinden und Landkreisen zukomme. Daher sei es ihm ein Rätsel, warum die Vertreter der Kommunalen Energieerzeuger nicht am Tisch des Lenkungsausschusses der Bayerischen Energieagentur sitzen dürften. Dieser „verordnete Systemwandel von oben“ werde sich negativ auf die Finanzierung der Energiewende auswirken. Denn Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien müsse für die Bürger auch nach dem Wegfall staatlicher Subventionen für die Atomkraft bezahlbar bleiben. Es stelle sich für jede Kommune in Bayern die Frage, so der Kreisrat aus Tittmoning, die regenerative Energiequellen Wasser, Wind, Sonne, Biomasse und Erdwärme vor Ort zu erschließen, Energien zu speichern, Gebäude energetisch zu sanieren und dies dann alles auch zu finanzieren. Da die CSU-Staatsregierung die Bayerische Energieagentur nur mit drei Millionen Euro ausgestatten haben, sei ihm unklar, woher der Investitionsspielraum für die Kommunen kommen soll.
SWM Ökostrom im „Euro-Netz“
Florian Post erläuterte die Strategie der Münchner Stadtwerke. Mit bereits angestoßenen oder realisierten Projekten verfügen die SWM schon jetzt über einer Erzeugungskapazität von rund 2,4 Milliarden kWh Ökostrom in eigenen Anlagen. Mit dieser Menge könnten die SWM alle rund 800.000 Münchner Haushalte versorgen und darüber hinaus den U-Bahn- und Trambahnbetrieb sicherstellen. Durch die Kooperation mit dem Windkraftspezialisten wpd-europe wächst das Erzeugungspotenzial auf insgesamt 3,6 Milliarden kWh bis 2020. Bis 2025 rechnet man mit einem Investitionsvolumen von rund 9 Milliarden Euro, ohne den städtischen Haushalt der Landeshauptstadt damit zu belasten.
Der Referent verglich das europäische Strom-Verbundnetz mit einem riesigen See. Jeder, so Post, der Strom erzeugt, speist in diesen „Stromsee“ ein; jeder, der Strom verbraucht, entnimmt etwas. Jede regenerativ erzeugte Kilowattstunde mehr macht den europäischen See sauberer. Deshalb halten die Stadtwerke die Investitionen in klimafreundliche Energiegewinnungsanlagen auch außerhalb von München für sinnvoll.
So unterhalten die SWM in München und der näheren Umgebung sieben Wasserkraftwerke, zwei Biomassekraftwerke, ein Geothermiekraftwerk in Sauerlach und eine Windkraftanlage. Beteiligt ist man zudem an zwei Solar-Großkraftwerken in Rothenburg/Oberlausnitz und Lauingen, zwei Onshore Windparks und drei Offshore-Windparks in der Nordsee und der Irischen See. Hinzu kommt eine Beteiligung an einem Parabolrinnen-Kraftwerk in Südspanien.
Zudem sind die Stadtwerke München der siebtgrößte Energieversorger in Deutschland. Daneben betreibe man auch die Wasser- und Gasversorgung, unterhalte den Nahverkehr in München mit der hundertprozentigen Tochter MVG, achtzehn Badeanstalten und investiere erfolgreich in den Glasfaserbau für München.

„Münchener Stadtwerke begannen mit einem Freibad“
Die Verpflichtungen ergeben sich aus der 125-jährigen Geschichte der Münchner Stadtwerke, die 1847 mit einem Freibad, 1850 mit dem ersten Gaswerk sowie 1883 mit der Trinkwasserversorgung aus dem Mangfalltal begann. Man sei stark sozial engagiert, unterhalte eine eigene Bildungsstiftung, unterstütze sozial schwache Familien beim Energiesparen und engagiere sich zudem kulturell sowie im Breiten- und Spitzensport, sagte Florian Post
„Dichtestes U-Bahn-Netz in Europa“
Mit wettbewerbsfähigen Preisen erwirtschaftete man im Jahr 2010 3,8 Milliarden € Umsatz mit über 7.000 Mitarbeitern und leistete allein für das Geschäftsjahr 2010 einen Beitrag in Höhe von ca. 250 Millionen € an den städtischen Haushalt im Rahmen der Gewinnabführung, Konzessionsabgabe und Gewerbesteuer. Daneben erbringt man mit dem dichtesten U-Bahn-Netz aller europäischen Großstätte sowie Bussen und Tram einen wesentlichen Beitrag dafür, dass München nicht im Verkehrschaos ersticke. Florian Post wies auch auf die Besonderheit hin, dass die MVG in Punkto Pünktlichkeit das einzige kommunale Nahverkehrsunternehmen mit Geld-zurück-Garantie sei.
In der anschließenden Diskussion ging es um die Problematik der Einspeisung von Strom aus der Photovoltaik ins Netz, den Planungen der Stadt Traunstein zur Windkraft und einem Photovoltaik-Park bei Wolkersdorf, die Bürgermeisterin Traudl Wiesholer-Niederlöhner erläuterte, sowie der Frage, wie ernsthaft Deutschland aus der „unbeherrschbaren“ Atomenergie wirklich aussteigen wird.
