„Gewerkschaften müssen politischer werden“
SPD-OV Tacherting behandelte Arbeitnehmerfragen
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Tacherting Die letzte Monatsversammlung, die der SPD-Ortsverein in diesem Jahr,wie immer im Gasthaus Schwendl abhielt, drehte sich inhaltlich ausschließlich um Arbeitnehmerthemen. Als kompetenter Gesprächspartner war der Rosenheimer IG Metall-Chef Stefan Rauschhuber anwesend. Als wichtigste Bereiche wurde die Gewerkschaftsentwicklung, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse, sowie die Rentenproblematik besprochen.SPD-Ortsvereinsvorsitzender Helmut Haigermoser, der inzwischen auch überregional zu den aktivsten, ehrenamtlich arbeitenden Gewerkschaftsvertreter in der SPD zählt, bewertete eingangs das Versammlungsthema „Arbeitnehmer“ als eins der allerwichtigsten, das die Politik zu berücksichtigen habe. Nur die Kompetenz dazu, sei in den Parteien völlig verloren gegangen. Sehr viele glauben inzwischen wohl, so Haigermoser, dass es ausreiche, Gewerkschaftsmitglied zu sein, um die Probleme politisch mit diskutieren zu können. Das sich dies zumindest in der SPD nicht auch so weiterentwickelt, dafür wolle er sich massiv einsetzen. Dazu äußerte sich Rauschhuber, dass als wichtigstes politisches Ziel der IG Metall ganz deutlich die Mitgliederentwicklung stehen würde. Nur gut organisierte Belegschaften werden gute Arbeitsbedingungen haben und nur eine wachsende IG Metall ist in gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen durchsetzungsfähig. In den Parteien, in der Politik, müsse sich schon sehr viel bewegen, dass sich unsere Mitglieder wieder auf deren Aussagen und deren Inhalte einlassen, dass dies womöglich am ehesten mit der SPD gelingen könnte, könne sich Rauschhuber vorstellen. Dem entgegnete Haigermoser, „Hätten sich Gewerkschaftler und Arbeitnehmer lautstark und deutlicher in die Politik der letzten beiden Jahrzehnte eingebracht, auch auf regionaler Ebene, wären wohl manche Entscheidungen sicher anders verlaufen“. Aufgrund ihrer Anzahl könnten sie doch fast jede politische Versammlung inhaltlich beeinflussen, nur die Vielen müssten halt auch mal mitmachen. Einig waren sich Rauschhuber und Haigermoser beim Thema Neuorganisation des DGB. Es sei ein Fehler, eine noch größere Organisationseinheit anzustreben, darunter leide wieder mal ganz deutlich die nötige Präsenz der Verantwortlichen bei aktuellen örtlichen Problemen in politischen Arbeitnehmerfragen. Wiedereinmal sollen Ehrenamtliche nun die Ausdünnung von hauptamtlichen Stellen auffangen.

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Beim Thema Leiharbeit sprach Rauschhuber von einer zerstörerischen Kraft, die von ihr ausginge. Während sich betriebliche und tarifliche Regelungen bei diesen Arbeitskräften sehr selten positiv auswirkten, könnten die Betreiber mit einem Millionengeschäft rechnen. Arbeitgeber, die Leiharbeiter beschäftigen, wälzten ihr unternehmerisches Risiko zunehmend auf die Beschäftigten ab. Hier müsse die Politik die Einsatzzeit deutlich beschränken und die Lohn- und Arbeitsbedingungen wie beim Entleiher festlegen. Während man in IG-Metallkreisen über Arbeitszeitmodelle spricht, in denen eine Arbeitszeit von 32 oder 35 Stunden angeboten wird, arbeiten z.B. Bayerns Beamte immer noch 42 Stunden in der Woche, so Haigermoser. Man war sich einig, dass man mehr Diskussionen über Arbeitszeitmodelle brauche, auch solche über die Lebensarbeitszeit. Sie müssten aber insolventsicher angelegt und auch Betriebsübergreifend anwendbar sein. Damit dürfe auch der Rentenzugang nicht auf eine Alterszahl beschränkt sein, sondern muss flexibler und auf einzelne Arbeitslebensbiografien abgestellt sein. Rauschhuber: „Hier muss die Politik weg von einer Einheitslösung, die immer für alle gelten soll“. Die Aussage, dass wir in der Region einen Facharbeitermangel haben, wollte Rauschhuber so nicht gelten lassen. Alle Jugendlichen des letzten Schulabgangsjahres stünden ausnahmslos in Ausbildung oder in Schulung, mehr Facharbeiter könnten nicht mehr herangezogen werden. Einen Mangel hätten nun vor allem jene Betriebe zu verzeichnen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht um die Ausbildung in ihrer Sparte kümmerten, oder diejenigen, die aufgrund ihrer Bezahlungsmoral für den Nachwuchs nicht gerade als erstrebenswerte Berufsbilder anzusehen waren. Bei diesem Punkt wurden auch die Chancen junger Menschen angesprochen. Wie soll eine positive Lebensplanung aussehen, so Haigermoser, wenn die Übernahme nach der Ausbildung nicht gesichert ist, wenn nur befristet eine Beschäftigung angeboten wird, wenn nur prekäre Jobs, weitere Praktikantenstellen oder Leiharbeit offensichtlich der einzige Ausweg ist. Hier gehe die IG Metall einen vorbildlichen Weg, so Rauschhuber, sie will schon in der kommenden Tarifrunde für alle Auszubildenden eine unbefristete Übernahme in feste Jobs verhandeln. Abschließend stellte Rauschhuber fest, die aktuelle Arbeitnehmerpolitik der Gewerkschaften und der SPD sind im Tachertinger Ortsverein auf gleicher Linie, und dies sollte, auch aufgrund unserer gemeinsamen Geschichte, auch in den Führungsebenen der Partei deutlicher erkennbar sein.
